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Heute habe ich einen neuen Arbeitsvertrag unterzeichnet!

 

Der Weg dorthin

Der Weg dorthin war weitaus länger, als ich es bisher gewohnt war. Seit meinem Berufseinstieg beim BBE bin ich stets von einem Job zum nächsten gerutscht. Kommunikation rund ums Engagement war dabei mein Dreh- und Angelpunkt. Zwar gab es immer wieder gegen Jahresende nervöse Phasen: Wann kommt der Zuwendungsbescheid? Werden die Personalstellen wie beantragt bewilligt? Wann wird der Arbeitsvertrag offiziell verlängert? Nichtsdestotrotz hat es über zehn Jahre mehr oder weniger reibungslos geklappt und auch Arbeitgeberwechsel liefen glatt. Als ich mich 2017 entschieden hatte, mich neuen Herausforderungen zu stellen, war daher die Lust und Neugierde auf Neues deutlich größer als Zukunftsängste. Außerdem hatte ich vorausgeplant und mir eine Fortbildung herausgesucht, mit der ich prüfen wollte: Bin ich noch auf dem aktuellen Stand bei Social Media und Co? Ist es immer noch die Engagementförderung, die mich bewegt und antreibt? Nach knapp vier Monaten konnte ich beide Fragen mit einem fröhlichen „Ja!“ beantworten, hatte beim FrauenComputerZentrum tolle Frauen kennen und auch noch einiges dazu gelernt und diesen Blog ins Leben gerufen.

Blog als Selbsthilfe

Im Blog wollte und kann ich mich ausprobieren, vor allem freier schreiben als im beruflichen Kontext. Außerdem bot er einen Grund mehr, in verschiedene Ehrenämter hineinzuschnuppern. Denn schließlich muss auch Content her! Mit der Zeit wurde der Schwerpunkt Nachbarschaft immer wichtiger, denn dort verbrachte ich beim Schreiben meiner Bewerbungen die meiste Zeit und konnte die neuen Projekte, die ich mit ins Leben gerufen hatte, mit Geschichten begleiten: Geschichten über Filmabende, über Sommerfeste, über den Nachbarschaftsgarten und in Zukunft auch noch über eine DIY-Werkstatt. Über den Blog ergaben sich außerdem Anfragen für Gastbeiträge, Interviews und sogar Honorartätigkeiten.

Broterwerb und Brötchenkorb

Zum Broterwerb reichte der Blog natürlich nicht, daher hieß es Monat über Monat Ausschreibungen sichten, Bewerbungen schreiben, Vorstellungsgespräche meistern. Der Brötchenkorb des Stellenmarktes bot (Achtung: holpriger Metapherreigen!)

  • meistens Knäckebrot (knapp bezahlt), ab und an mit Sesam bestreut (thematisch spannend)
  • oft Müsliriegel (erstmal was für den Übergang)
  • manchmal angetrocknete Vollkornbrötchen (solide Jobs bei ehemaligen Arbeitgeber*innen, die Zeit dafür war aber einfach vorbei)
  • selten Sahneschnittchen (inhaltlich spannend und gut bezahlt), so gut wie nie mit Kirsche (unbefristet) obendrauf
  • und einmal ein skurriles Schaumgebäck

Die Bewerbungsgespräche reichten vom informellen Telefonat bis hin zu strukturierten Gesprächen mit Testaufgaben unter der Aufsicht von bis zu sieben „Beobachter*innen“ des Öffentlichen Dienstes. Alle waren sie durchaus angenehm, oft ging ich sogar mit einem sehr positivem Gefühl hinaus. Umso enttäuschender war es dann, wenn sich die angekündigte Rückmeldung verzögerte und damit klar war, dass nur noch eine Absage zu erwarten ist.

Coaching in Maßen

Bisher verband ich Coaching mit allzu großer Selbstbespiegelung, mit platten Phrasen und mit Stockfotos von Bergen, die erfolgreich erklommen werden. Das komplette Neuüberdenken des beruflichen Lebensentwurfs erscheint mir für mich auch heute nur bedingt sinnvoll und wenig realitätsnah. Aber das mag daran liegen, dass ich mit meinem Werdegang im Großen und Ganzen sehr zufrieden bin. Dennoch war der Blick auf die eigenen Kompetenzen und auf berufliche Ziele gleich zu Beginn meiner Fortbildung hilfreich und hat mich darin bestärkt, auf dem richtigen Weg zu sein. Mehr aus Neugier aufs Format und aus Geselligkeit nahm ich später noch einmal an einem dreitägigen Coaching mit Stadtspaziergängen durch Berlin teil. Viele der Übungen haben sich durch die Verknüpfung mit dem Stadtbild Berlins tief ins Gedächtnis eingeprägt. Das hat mir gut gefallen!

Gute Übung: Vermittlungsvorschläge ernstnehmen

Ab und an erhält man von der Arbeitsagentur ergänzend zu den eigenen Bewerbungsbemühungen Vermittlungsvorschläge. Die Datenbank, die die Bewerberprofile mit den Ausschreibungen abgleicht, hat noch viel Luft nach oben. So durfte ich mich bei einem Unternehmen bewerben, das Software gegen Wirtschaftskriminalität verkauft, und musste mir Begründungen aus den Fingern saugen, warum ich nach weit über zehn Jahren Berufserfahrung in Sozialverbänden und Engagementnetzwerken als Junior-PR-Beraterin für die Bereiche IT/CE arbeiten möchte. CE steht übrigens für Customer Electronics, Unterhaltungselektronik, sagt das Internet. Ich lief Gefahr, „kommunikative Eskalationen“ bei „Kundenanliegen mit hoher Brisanz“ auf den Social-Media-Kanälen der Deutschen Bahn verhindern zu müssen und hatte Angst, über Zeitarbeitsfirmen verhökert zu werden. Ich habe mir dennoch relativ viel Mühe bei den Anschreiben gegeben und ab und an fand ich sogar ein wenig Spaß daran. Sie sind nämlich eine gute Übung, auch dort Zusammenhänge zu finden und Stringenz zu formulieren, wo nichts dergleichen vorhanden ist.

Schaumgebäck der besonderen Art

Die mit Abstand ungewöhnlichste Erfahrung war meine Pflichtbewerbung bei einer gGmbH in Gründungsphase. Keine Frage, die Gründerin ist eine sympathische Geschäftsfrau mit einem beeindruckenden Lebensweg. Geflohen aus Afghanistan verfolgte sie eine internationale Modelkarriere, ist nun engagierte Integrationsbotschafterin und baut ambitioniert verschiedene soziale Projekte auf. Ende 2020 sollen dafür 27 Menschen eingestellt sein, derzeit gibt es allerdings noch nicht einmal ein Büro. Das Bewerbungsgespräch fand daher in der Lobby des 5-Sterne-Hotels Hilton-Mitte statt. Das Probearbeiten, auf das ich mich durchaus eingelassen hätte, war in der Lobby eines etwas weniger renommierten Hotels angesetzt.

Schwere Entscheidung

Dann folgten innerhalb von zwei Wochen auf einen Schlag gleich fünf Bewerbungsgespräche. Ich sagte das Probearbeiten in der Hotellobby ab und durfte mich bei fünf spannenden Arbeitgeber*innen aus ganz unterschiedlichen Bereichen vorstellen. Bereits bei den beiden ersten Gesprächen eröffneten sich zwei Möglichkeiten einer neuen beruflichen Zukunft. Daraus ergaben sich viele Entscheidungen, die ich schnell fällen musste: Nehme ich sofort das erste Angebot an? Wie wäge ich zwischen zwei interessanten Angeboten ab? Welches Thema reizt mich mehr? Mit welcher Zielgruppe möchte ich lieber zusammenarbeiten? Wie wichtig ist mir das Gehalt? Wie flexibel bin ich wirklich? Will ich praktisch arbeiten oder doch lieber konzeptionell? Nehme ich trotz zwei konkreter Jobangebote alle anderen Gespräche wahr? Will ich in gewohnten Gefilden bleiben, in eine komplett neue Branche wechseln oder gar zurück zu meinem Studienfach?

Wie ich mich entschieden habe, erzähle ich später. Erst rechne ich noch einmal darüber ab, was mir in den letzten Monaten geholfen hat und was nicht.

Hilft nicht

  • Gutgemeinte, vermeintlich aufmunternde, also sehr bescheuerte Absagephrasen, gern wortwörtlich abgetippt von schlechten Ratgeberseiten für Personalangestellte oder vom Generator für individuelle Absagen (gibts tatsächlich!) zusammengestellt. Leute, ein einfacher Texbaustein mit einer schlichten Absage ist völlig in Ordnung!
  • Interamt. Für die Jobsuche beim Öffentlichen Dienst ist das Stellenportal unvermeidbar. Hat man auch nur einen minimalen Anspruch an die Gestaltung der eigenen Bewerbungsunterlagen, ist sie ein absolutes Grauen!

Hilft

  • Freund*innen, Cousinen, Nachbar*innen, die zuhören, auf Stellen hinweisen, aber auch ablenken
  • Austausch mit Menschen, die sich in der gleichen Situation befinden
  • Kontakt mit dem beruflichen Netzwerk halten
  • Freiwilliges Engagement: erdet, hält den Kopf frei von zu viel Selbstreflexion, schenkt Anerkennung, zeigt neue Perspektiven auf
  • Sport: der Klassiker der Stressbewältigung hilft immer!
  • Gärtnern: In der Erde wühlen, Pflanzen hegen, Himbeeren ernten. Wunderbar!
  • Je ne regrette rien: Trotz manch zäher Wochen habe ich das Glück, keine einzige meiner beruflichen Entscheidungen je bereut zu haben. Ich hoffe, das trifft auch auf die neueste zu!
Durststrecke überwunden
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8 Gedanken zu „Durststrecke überwunden

  • 1. Oktober 2018 um 17:44
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    … wunderbarer Rückblick! Macht gespannt darauf, mehr über Deine Entscheidung zu lesen.
    Viel Erfolg und Freude im neuen Job

    Antworten
    • 1. Oktober 2018 um 18:26
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      Dankeschön! Ich bin auch gespannt und guter Dinge :-)!

      Antworten
  • 2. Oktober 2018 um 9:49
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    Den ersten Tag hast Du jetzt hinter Dir. Ich wünsch Dir alles Gute für den neuen Job und drücke beide Daumen, dass er Dir gefällt 😉

    Antworten
    • 2. Oktober 2018 um 17:15
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      Dankeschön. Bisher allet bestens

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  • 2. Oktober 2018 um 22:33
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    Bin gespannt wie die ersten Tage waren!!

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    • 3. Oktober 2018 um 17:28
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      Ich berichte! Beim Hüpfen oder Feierabendbier!

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  • 3. Oktober 2018 um 16:31
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    Mensch, was für ne gute Nachricht – und ein sehr interessanter Rückblick auf eine sehr bewegende Zeit! Bin gespannt auf die Forsetzung zu Entscheidungsfindung.
    Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für die neue Arbeit!!

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