Der September stand im Nachbarschaftsgarten ganz im Zeichen des Kürbisses. Außerdem kamen wir Wildtieren auf die Spur und unternahmen eine Exkursion nach Charlottenburg zu einem Treffen mit Nachbarschaftsgärtner*innen aus drei weiteren Genossenschaftssiedlungen.

 

Der kleine Hokkaido

Nur zwei Kürbisse haben den Hochsommer überlebt, dafür wurden diese besonders sorgsam gehegt und gepflegt. Kürbis 1 war ein noch gelber Hokkaido. Eines Abends kam großer Unmut in der Garten-Whatsapp-Gruppe auf: Der kleine Kürbis ist weg! Wer klaut denn einen noch nicht einmal ausgereiften Kürbis, fragten wir uns. Immerhin bot die große Aufregung um den kleinen Kerl einen guten Anlass, die Genossenschaft an das noch einzubauende Schloss im Gartentor zu erinnern. Auch dort große Verwunderung: Wer stiehlt denn nur im braven Buckow Gemüse? Das Schloss war gleich am nächsten Tag eingebaut. Bei der monatlichen Garten-AG brachte die Nachbarin, die kein Smartphone nutzt, Kürbiskompott und damit die Lösung des Rätsels mit: Sie hatte den Kürbis geerntet, für alle Kompott gekocht und sich spitzbübisch über die Verwunderung der restlichen Gärtnerinnen gefreut.

Der große grüne Bruder

Kürbis 2 ist mindestens viermal so groß wie sein kleiner Hokkaido-Bruder. Die Sorte ist unbekannt, es könnte sich laut Internetrecherche um einen Jarrahdale oder einen Muscade de Provence handeln. Der große grüne Kürbis wurde noch mehr umsorgt als der vermeintlich geklaute und soll schwesterlich geteilt, gemeinsam geschnitzt und dann zu einer Suppe für alle verkocht werden. Der Zustand des Kürbisses war daher oft Thema in der Messenger-Gruppe. Sogar um halb sieben morgens wurde darüber konferiert, ob er wegen Mehltaubefall nicht besser notgeerntet werden sollte. Die Mehrheit war dafür und nun reift er im Hausflur nach. Der Mehltau stellte sich bei genauerer Recherche allerdings als ein für die Sorte typischer „gelbgrauer Schimmer“ heraus.

Letzte Ernten

Mit dem Kürbis ist nun das meiste Gemüse im Garten geerntet. Der letzte Pflücksalat ist in die Höhe geschossen. Nur Brokkoli, Rosenkohl, Endivien und die letzte Aussaat Winterportulak wachsen noch langsam vor sich hin. Die Schmuckkörbchen blühen allerdings schöner denn je und sie sind so groß geworden, dass ihre pinken Blüten über die Hecke hinweg leuchten.

Wildtiere

Im Juli waren mehrere Tigerschnegel im Nachbarschaftsgarten eingezogen. Seitdem haben sie sich gut versteckt. Zwei Monate später, im September, wurde allerdings einer im Schnellkomposter gesichtet. Neu dazugekommen sind zwei Gartenkreuzspinnen, die Respekt einflößen und deren Netze hübsch in der spätsommerlichen Sonne glitzern.

Das Haufenproblem, das seit August im Garten zu beobachten ist, ging im September in eine neue Runde. Sollten das neue Schloss im Gartentor und unser neues Kein-Hundeklo-Schild keine Wirkung zeigen, bleibt noch die Hoffnung, dass der Garten beim Berliner Wildtierforscher-Projekt als Beobachtungsposten für eine Wildtierkamera ausgewählt wird. Vielleicht ist der Übeltäter ja kein Hund, sondern ein Fuchs, ein Dachs oder ein Waschbär!

Exkursion nach Charlottenburg

Im Juli besuchten uns drei Frauen aus der 1892-Genossenschaftssiedlung Haeselerstraße, um sich unseren kleinen Gemüsegarten anzuschauen. Im September waren wir und Nachbarschaftsgärtner*innen aus anderen Siedlungen zum Gegenbesuch in Charlottenburg eingeladen. Rund 20 Nachbarinnen und Nachbarn aus der Sickinger Straße, aus dem Ortolanweg und aus der Stargarder Straße trafen sich mit den Gastgeberinnen aus der Haeselerstraße, um sich über Nachbarschaftsgärten und über ihre Erfahrungen mit der Genossenschaft auszutauschen. Zum Einstieg schauten alle gemeinsam den Imagefilm der 1892 an, der zum 125. Jubiläum der 1892 entstanden ist. Im Anschluss gab es Brezeln, Minipizzen, Zupfkuchen, Käsekuchen, Saft, Kaffee und Zeit, sich kennenzulernen.

Danach zog die Gruppe zwischen den Gebäuden in der Haeseler Straße von Hof zu Hof und die Bewohner*innen stellten jeweils ihre Hofbepflanzung vor. Jeder Hof des Charlottenburger Gebäudekomplexes sieht anders aus. Die sogenannten Ehrenhöfe sind zur Straße hin geöffnet, andere erreicht man nur mit einem Schlüssel. In einem Hof wachsen Platanen, in einem anderen Birken und in einem dritten Rotbuchen. In manchen Höfen befinden sich Spielplätze, in anderen ruhige Sitzecken oder Wiesen, die sich fürs morgendliche Tautreten eignen. Anders als im Nachbarschaftsgarten Ortolanweg stehen in Charlottenburg statt Gemüse Zierpflanzen (und einige wenige, aber beliebte Beerensträucher) im Vordergrund. Die Pflanzen wurden hier entweder von der Genossenschaft finanziert, standen nach einem Aufruf auf dem Schwarzen Brett des Concierge-Services auf einmal im Hof oder es handelt sich um Überreste von Balkonen. Zwischendurch tauschten sich alle über die Zusammenarbeit mit der Genossenschaft aus. Im Großen und Ganzen herrscht Zufriedenheit. Viele der Gäste engagieren sich in der Genossenschaft sogar als Vertreterin oder Vertreter.  Einen Kommunikationsklassiker mit der Verwaltung konnte sich aber ein Nachbar nicht verkneifen: „Ist in Arbeit“.

Kürbisgeschichten, Wildtiere und Gartentreffen: Nachbarschaftsgarten im September

2 Gedanken zu „Kürbisgeschichten, Wildtiere und Gartentreffen: Nachbarschaftsgarten im September

  • 30. September 2018 um 12:32
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    Liebe Ortolaner Gartenfreunde, es ist wunderbar von euren Gartenerlebnissen zu lesen und zu sehen, wie euer Garten weiter gedeiht. Es war auch eine große Freude euch gestern als Gäste bei uns in der Haeselerstraße begrüßen zu können. Bis zum nächsten Mal, herzliche Grüße von Diana

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  • 3. Oktober 2018 um 11:01
    Permalink

    Liebe Ortolaner,
    es war ein Vegnügen euch und die Besucher der anderen Siedlungen bei uns als Gäste zu haben.
    Sabine, sehr schöne Fotos.
    Ich bin gespannt auf die Entwicklungen im nächsten Sommer.

    Viele Grüße Annegret

    Antworten

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