Über 1000 Engagementangebote, wie soll man sich da nur entscheiden? Bei welchen von 118 Ständen lasse ich mich beraten? Wo gibt es Kaffee? Wie funktioniert diese Ehrenamtspauschale? Wo kann ich ehrenamtlich Nachhilfe geben? Bei wem kann ich mich für Tiere engagieren? Wo ist Stand 50? Bei all diesen Fragen auf der 11. Berliner Freiwilligenbörse halfen rund 25 ehrenamtliche Börsenlotsinnen und –lotsen weiter. Ich war eine von ihnen.

Selbstversuch als Engagementlotsin

Die Berliner Freiwilligenbörse ist ein Pflichttermin für mich. In den vergangenen Jahren suchte ich dort nach einem Ehrenamt, war aus beruflichen Gründen da, betreute ehrenamtlich Stände oder schaute bei ausstellenden Freundinnen und Freunden vorbei. 2018 wollte ich die Börse aus einer neuen Perspektive kennenlernen und versuchte mich zum ersten Mal als Börsenlotsin.

Buntere Truppe als gedacht

Bisher hatte ich die Lots*innen als recht homogene Gruppe wahrgenommen. Doch der Workshop zur Vorbereitung auf die Freiwilligenbörse bewies, wie falsch ich damit gelegen hatte! Wir waren eine viel buntere Truppe als es unsere einheitliche Kleidung (schwarz mit buntem Schal) vermuten ließ. Da wären zum Beispiel

  • das eingespielte Duo, das seit Jahren gemeinsam die Garderobe schmeißt
  • der Franzose, der Deutsch lernen möchte
  • die Frau, die die Zeit ihrer Jobsuche aktiv gestalten möchte
  • die Jura-Studentin, die sich zusammen mit ihrer Schwester zum ersten Mal engagiert
  • der frisch zertifizierte und damit älteste Fußballschiedsrichter Berlins
  • der Mann, der in seiner Muttersprache Türkisch beim Übersetzen hilft
  • der Namensvetter (Wolf) mit dem treffenden Spitznamen „Rotkäppchen“
  • die Freiwillige, die neben ihrem langjährigen Ehrenamt noch Lust auf „kurzfristige Geschichten“ hat

Botschafter*innen und Visitenkarten

Alle gemeinsam waren wir Botschafter*innen oder die „Visitenkarten“ der Freiwilligenbörse. Wir lotsten Gäste ins Rote Rathaus, verteilten Lagepläne und Engagementkataloge, erklärten Wege durch Wappen-, Fest- und Säulensaal, beantworteten Fragen oder fanden die richtigen Ansprechpartner*innen. Wir alarmierten die Johanniter, wenn jemandem die stickige Luft zu schaffen machte, riefen die Veranstalterinnen, wenn große Kameras und Aufzeichnungsgeräte in Sicht waren, und holten Meinungen der Gäste ein, damit die Qualität der Freiwilligenbörse stetig steigt.

Gewertschätzt!

Bemerkenswert ist der wertschätzende Umgang der Veranstalterinnen mit den Börsenlots*innen: Ein Workshop zum Einstieg, stets eine persönliche Begrüßung, ein eigener Ruhebereich samt Obst, Keksen und Wasser, ein Gutschein fürs Bistro und die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge einzubringen, sind keine Selbstverständlichkeit. Auch nicht, dass es zwischendurch für alle genügend Zeit gab, die Ausstellungen „Asyl ist ein Menschenrecht“ (PRO ASYL) und #farbenbekennen anzuschauen und selbst die trubeligen Hallen zu inspizieren. Dies habe auch ich ausgiebig genutzt.

Ideen fürs nächste Ehrenamt

Derzeit suche ich Tageseinsätze, projektbezogenes Ehrenamt oder Organisationen, denen man kurzentschlossen helfen kann. Ich möchte in verschiedene Engagementbereiche hineinschnuppern, den eigenen Horizont erweitern und mich dann auch wieder langfristig engagieren. Mancherorts findet man solche Angebote über Projekte von Freiwilligenagenturen namens kurzundgut, Sporadis oder Whats do do? Auch im Katalog der Berliner Freiwilligenbörse gibt es die Kategorie Kurzzeitengagement. Nichtsdestotrotz und selbstverständlich wünschen sich die meisten Vereine und Initiativen, mit denen ich gesprochen habe, Freiwillige, auf die sie auf lange Sicht bauen können. Ich konnte von den vielen tollen und engagierten Menschen auf der Freiwilligenbörse auf jeden Fall gleich mehrere Anregungen mitnehmen, wo und wie ich mich zukünftig einbringen könnte:

Eine große Frage bleibt: Wie soll ich mich bei so vielen spannenden Möglichkeiten nur entscheiden?

 

Schnappschüsse

Als Engagementlotsin bei der Berliner Freiwilligenbörse
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