Einladung zur Lesung mit Musik

„50 Jahre 68 sind kein Grund für eine Nostalgieveranstaltung, kein Grund zur Verklärung und auch nicht zur Verdammnis“ hieß es in der Einladung für „68 – eine Lesung mit Musik mit Now or never“ beim Frauenprojekt Offensives Altern e.V. nebenan.

Now or never sind drei Menschen in Berlin, Martina Jacob, Lutz Keller und Hartmut Witt, die sich – von den Beatles bis zu Pink Floyd – „feinstem Akustik-Rock“ verschrieben haben und schon öfter in dem gemütlichen Gemeinschaftsraum der Nachbarinnen zu Gast waren. Ihre Texte und Geschichten, die bei ihren Auftritten zwischendurch vorgelesen und erzählt werden, kommen gut an: „anschaulich, manchmal gar humorig, informativ, nicht nostalgisch verklärend, dafür immer kurzweilig, lebendig und authentisch“.

 

Musikalischer Rückblick

An diesem Abend warfen die drei einen Rückblick auf die Jahre rund um 1968, spickten ihn mit musikalischen Zitaten und spielten ihre Lieblingssongs von den Beatles, Crosby, Stills & Nash, Wishbone Ash, Blind Faith, Rolling Stones, Patti Smith und von vielen mehr.

Zuvor waren die Gäste gebeten worden, ihre Schlaghosen und „Batik-Hippie-Waller-Waller-Kleider“ aufzutragen oder Politposter und alte Bravo-Starschnitte mitzubringen, um noch tiefer in die Zeit eintauchen zu können. Leider hatte kaum jemand mehr so etwas im Schrank, dafür glitzerten und leuchteten auf den Shirts der Band Peace-Zeichen und die Haare wallten immer noch. Ein Ausrutscher ins Jahr 2018 gab es trotzdem: Tablethalter an den Mikrofonen!

 

Musikgeschichte(n)

Insbesondere Bandmitglied Hartmut wusste zu jedem Song eine Geschichte zu erzählen. Zwischendurch las er die ersten Seiten aus Graham Nashs Autobiografie „Wild Tales“ vor, auf denen Nash eindrucksvoll beschreibt, wie die drei Musiker Crosby, Stills & Nash zum ersten Mal gemeinsam „You don’t have to cry“ singen. Es wurde auf der Bühne debattiert, inwieweit der Kinks-Song „Sunny afternoon“ nun sozialkritische Töne anschlägt oder nicht, und bei der laut Bandmitglied Hartmut „größten Hymne der Zeit“ „Love the one you’re with“ rief er auf, die Hand der Nachbarin, des Nachbarn zu halten oder zumindest nett zu seinen Mitmenschen zu sein.

Zwischen Sozialkritik und freier Liebe gab es auch einen gruseligen Moment als kurz die ersten Zeilen aus Freddy Quinns furchtbarem Lied „Wir“ vorgetragen und eingeordnet wurden. Der Songtext richtet sich gegen die Studentenbewegung und findet auch heute noch erschreckend viele Fans.

 

Entspannte Stimmung

Insgesamt war die Stimmung aber entspannt und freundlich. Die drei von Now or Never hatten sichtlich großen Spaß am Musizieren und übertrugen ihre Begeisterung für die Musik der 68er auch aufs Publikum. Einige Gäste jammten und sangen sogar leise bei dem Rückblick auf ihre Jugend mit, andere futterten Chips und tranken Wein, den die Gastgeberinnen vom Frauenprojekt spendiert hatten, und waren fasziniert von einer Ära, die zwar lange vor ihrer Geburt lag, sich aber bis heute auswirkt.

Zeitreise mit den Nachbarinnen: 50 Jahre 68
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