„Mit Backpulver bekommt ihr heute Abend eure Fingernägel sauber“, empfahl eine Nachbarsgärtnerin gleich morgens, lange bevor am großen Bau- und Pflanztag der erste Sack Erde in den neuen Gemeinschaftsgarten gekarrt worden war. „Pass auf, solche Tipps kommen bestimmt in Sabines Blog“, scherzte ein Nachbar. „Na gut, wenn ihr wollt! Gerne doch!“, dachte sich diese.

Am letzten Sonntag im April traf sich die Garten-AG mit einigen weiteren Nachbar*innen, um den Nachbarschaftsgarten nach vielen Absprachen und Vorbereitungen endlich zum Leben zu erwecken. Es galt, drei Hochbeete aufzubauen, elf Beerensträucher zu pflanzen und einen Kompost anzulegen. Nicht ganz ohne, dachten wir, deswegen wurden Freund*innen rekrutiert und auch verwandtschaftlicher Besuch musste ran an den Spaten. Mit Helfer*innen zwischen drei und 60+ waren alle Generationen vertreten.

 

Wohin denn nun?

Nach anfänglichen Entscheidungsschwierigkeiten und dank Tipps von erfahrenen Gast-Gärtnerinnen war klar: Wir stellen die Hochbeete quer und nicht wie ursprünglich geplant längs zur Hecke. Auch sonst gab es viel „Bäumchen wechsel dich“. Der Provianttisch musste immer wieder aus dem Weg geräumt werden und der Kompost wurde mehrfach versetzt. Hortensien und eine Schattenblumenmischung fanden nach längerer Beratschlagung in einer der schattigeren Ecken des Gartens ihren endgültigen Platz. Nur wo sich die elf Beerensträucher aneinanderreihen, war schnell klar: an einem breiten Streifen direkt neben der Hecke zur Straße. Dafür mussten rund zehn Meter mal ein Meter Boden umgegraben werden. Gutes Workout!

 

Stippvisite aus der Nachbarschaft

Nach und nach steigt die Neugier der Nachbar*innen auf den Garten. Noch hat sich die aktive Gartengruppe nicht vergrößert, aber zumindest gab es in den letzten Wochen mehrere Nachfragen und Anregungen. Am ersten Gartenarbeitstag brachten zwei interessierte Nachbarinnen aus Haus 70 und dem Frauenprojekt Kaffee, Rhabarberkuchen und Muffins vorbei, liehen uns eine zweite Schubkarre, boten Gartenlektüre an und blieben auf ein Schwätzchen auf der Bank sitzen. Schon am ersten Tag erfüllt der Garten also seinen Zweck. So kann es weitergehen!

 

Safety first! Auch beim Hochbeetbau

Das Aufbauen der Hochbeete gestaltete sich aufwändiger als gedacht. Keine vorgebohrten Löcher, fehlende Bohrköpfe und so weiter und so fort. Als sich unser Haussprecher mit seiner professionellen Tischler-Ausstattung dazugesellte, ging es voran. Zwischendurch gab es unterschiedliche Meinungen darüber, wer in der Lage ist, einen Tacker (eine Handheftpistole) zu bedienen und wer das lieber nicht tun sollte. Als Enkelin eines Schreiners, Tochter einer toughen DIY-Frau und Schwester eines Maschinenbauers, Fachrichtung Sicherheitstechnik, sind mir solche Warnungen in jeglicher Form seit jeher wohlbekannt und ich habe sowohl eine gesunde Ignoranz als auch mit der Zeit Verständnis dafür entwickelt. Letztendlich geht’s ja nur um „Safety first“. Am meisten Spaß gemacht hat mir am Hochbeetbau vor allem das Schichten der Beete. Säckeweise wurden Holzschnitzel, Kompost und Erde mit der Schubkarre angekarrt und ausgekippt.

 

„Süße, wohlbekannte Düfte…“

„Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.“ Diese Zeilen aus Mörikes Frühlingsgedicht „Er ist’s“ haben die meisten irgendwann einmal auswendig gelernt und sie werden der einen oder dem anderen durch den Kopf flattern, wenn sie an den Fliederbäumen vorbeischlendern, die derzeit in Buckow und Britz an jeder Ecke blühen. Ich musste im neuen Garten auch oft daran denken. Allerdings zog dort keine sanfte Blütenbrise über die Beete, sondern es roch ständig und überall nach Hundescheiße.
Sorry, Leute, alles andere würde es nur beschönigen und das sage ich als eine große Hunde- (ok, noch größere Katzen-)freundin.

 

Aussaat!

Am nächsten Tag ging es nur zu viert weiter. Zwischendurch schaute die kleine, leider kranke Nachbarin, die direkt über dem Garten wohnt und gerne geholfen hätte, mit ihrer Mama vom Balkon herunter. Hoffentlich kann sie bald mitgärtnern! Für uns unten im Garten stand zuerst das Aussäen an. Nach fleißigem Rillenziehen und Samenstreuen wachsen in den Hochbeeten mit etwas Glück bald sieben Kräuter und zehn verschiedene Gemüsesorten. Wer wissen möchte, was genau, kann gern vorbeikommen und mitentscheiden! Rund um den Kompost ranken bald Zucchini und auf ihm drauf thront schon ein vorgezogener Kürbis. Die Koniferen, die keinem so recht gefallen, aber Vögeln Nistplätze und den Nachbarskatzen Verstecke bieten, werden bald mit Waldblumen verschönt. Spontan legten wir noch ein Rundbeet an. Eigentlich war es für Katzenminze geplant (siehe oben, Katzenfreundin). Allerdings war plötzlich das Saatgut spurlos verschwunden, daher blüht stattdessen bald die Blumenmischung „Duftender Sommerabend“ neben der Sitzbank.

 

Hund und Mensch gefällt’s!

Gegen Mittag schauten zwei Nachbarinnen mit ihren Hunden vorbei. Die Hunde beschnupperten alles und setzen in der für sie ungewohnten Umgebung gleich ihre Marken (die gleich wieder beseitigt wurden). Der deftige Geruch vom Vortag war dagegen erfreulicherweise verflogen! Dafür haben einige andere Nachbarinnen Sorge, dass der Kompost für neue Geruchsbelästigung sorgt. Wir werden sehen, wie sich das Brennpunkt-Thema am Gartenzaun „Stinkt ein Kompost oder stinkt er nicht?“ in unserem Gemeinschaftsgarten entwickelt und entsprechend reagieren. Den Hundebesitzerinnen scheint es jedenfalls sehr gut zu gefallen: „Da habt ihr ja richtig geackert!“, „Ganz toll!“, „Schön jeworden!“ Dankeschön! Kommt wieder!

 

Schnappschüsse

Großer Bau- und Pflanztag im Nachbarschaftsgarten
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